Komplexe Geschäftsanwendungen auf Open-Source-Basis sind in Deutschland eine Ausnahmeerscheinung – dennoch gibt es sie. Sechs der bekannteren Systeme können als ernstzunehmende Kandidaten gelten, wenn es um das Erobern von Anteilen im ERP-Markt geht.

 

Quelloffene Software hat sich im Unternehmenseinsatz etabliert. Für zahlreiche Anwendungszwecke gibt es Produkte, die kommerziellen Systemen funktional ebenbürtig sind oder sie sogar in Details übertreffen. Nur auf dem Feld der unternehmensweiten Ressourcenplanung (ERP, Enterprise Resource Planning) sind frei verfügbare Systeme noch weitgehend unbekannt. Diese letzte proprietäre Bastion halten die einschlägigen Hersteller wie SAP & Co.

Doch es kommt Bewegung in die Szene. Die ersten diesbezüglichen Projekte starteten vor gut zehn Jahren. Einige davon sind schon recht weit gediehen, andere befinden sich noch in frühen Entwicklungsstadien.

Die Auswahl und Beurteilung der hier betrachteten Systeme erfolgte nach den im Folgenden beschriebenen Kriterien. Zunächst sollte die Software nicht völlig exotisch sein, sondern über einen gewissen Bekanntheitsgrad verfügen. Hinweise auf den produktiven Einsatz sowie das Vorhandensein einer aktiven Entwickler- oder Anwendergemeinschaft waren ebenfalls wichtig. Weiterhin mussten die Produkte in der Lage sein, Standardgeschäftsprozesse wie einen einfachen Vertriebsauftrag, eine auftragsbezogene Bestellung sowie einen Fertigungsauftrag zur Lagerbefüllung flexibel abzubilden.

Schnittstellen in Form von XML-RPC, SOAP oder komplette Webservices, mit denen sich das System in eine bestehende Infrastruktur einbetten lässt, bildeten eine zusätzliche Grundvoraussetzung (siehe Tabelle "OS-ERP-Systeme: Daten und Funktionen"). Man kann wählen. Zu guter Letzt sollte zumindest eine optionale webbasierte und übersichtliche Oberfläche im Angebot sein.

Diese Anforderungen erfüllten sechs Bewerber: Open ERP, Tryton, Apache OFBiz, Compiere, Openbravo und ADempiere.

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